Wiederkehrendes Gemetzel
Im Innersten ist Hans eine verletzte und gedemütigte Kreatur. Ist er das? Vermutlich nicht, vermutlich ist er einfach ein griesgrämiger Zeitgenosse, der seine Wut kanalisieren kann.
«Wieso ausgerechnet, muss das immer mir passieren?!»
Es war zum Mäuse melken. Ich hatte alles, Geld, eine wolllüstige Begleiterin, beste Zigarren und ein Motorrad. Und dann klingelt der Wecker.
«Wenigstens der Ständer ist mir geblieben…», dachte ich, als ich aufstand und mich vergewissert hatte, dass ich leider ich, in meinem versifften Rattenloch, bin.
Das war fünf Minuten her. Fünf Minuten mit mir alleine. Ich weiss nicht, wie das andere aushalten. Ich selbst finde mich verzweifelt tragisch. Die Wampe hängt, der Busen ist gewachsen, die Falten sind beim Rasieren im Weg, meine Zehennägel sehen aus, als hätte ein verfickter Fetischist sich daran gelabt und nichts als ein Inferno hinterlassen.
«Wieso genau soll ich zur Arbeit? Ich mach dem Scheiss doch ein Ende und spring aus dem Fenster. Heute ists soweit!», sage ich mir, zünde eine Kippe an und öffne die beiden Flügel in der Küche. Nichts als Grau erwartet mich. Der Innenhof. Spiegelbild unseres Quartiers. Abgewixt und ausgelutscht. Nicht mal die Huren wagen sich hierher, verständlich, was man sich da nicht alles einfangen würde.
«Scheiss drauf. Morgen klappts dann!», denn ich hab mich bei Anblick der Trostlosigkeit im Innern des Gebäudekomplexes plötzlich verloren und dann gut gefühlt.
«Ring ring», «ring ring».
«Ja? Oberfeldmarschall Heinrich am Apparat?», ich würde am liebsten loskreischen, aber mein Humor gefällt auch nur gerade mir.
«Hans? Hans, bists du?»
«Fuck you Oskar. Wer soll es sonst sein? Die verfickte Wohlfahrt hast du ja wohl nicht erwartet.» und bereits kann mein Tag nicht schlimmer werden.
Wo sind meine Zigarren, mein Motorrad und mein Geld hin?
«…siehst du auch so oder?»
«Hä? Was? Verfickter Oskar. Wovon sprichst du? Ich versteh kein Wort.»
«Stefania, sie will den Laden dicht machen. Hat sie mir heute erzählt. Keiner von uns hat Kohle, alle schreiben an und sie macht das alles nur, weil sie sonst ganz alleine wäre. Wir müssen ihr helfen.»
«Und was glaubst du, soll ich machen? Auf der Strasse singen und tanzen, damit wir Almosen kriegen um unseren Saufladen zu retten?!», manchmal bin ich hart mit Oskar. Aber er verkennt stets die Realität. Verdammter Optimist.
«Ich weiss doch auch nicht Hans. Deshalb ruf ich dich an. Wen soll ich sonst fragen? Meine Frau meinte zwar, ich sollte mich eh von dir fernhalten, aber du bist mein Freund und ich weiss du hast immer gute Ideen, denn…»
«Hmm…shit.», ich lege den Hörer auf. Oskar der Scheisser merkts eh nicht, wenn ich nicht mehr am Apparat bin.
«Die Flügel sind noch offen, vielleicht kann der Tag doch noch besser werden…», denke ich mir, während ich Kippe Nummer zwei anzünde und in die Tiefe starre.
Nichts. Ein Spiegelbild von uns allen. Das Nichts, ganz tief unten.