Wenn sich Herren der Fliegen treffen
Als Hans seine Sonntagsrunde begeht, werden die Abgründe der Menschheit in kurzer Zeit auf eine Weise offenbart, die es ihm kaum noch ermöglicht, frohen Mutes, einer bereits tiefen Sorge über die Zukunft noch Herr zu werden.
Selten gab es Zeiten, in welchen sich Hans so oft an den Kopf fasste und dachte: «Verdammt nochmal. Sind wirklich alle verrückt geworden? Ist es soweit?» Es ist zum Mäuse melken. Rundherum passiert nur Scheisse. Entweder fahren sich alle über den Haufen, weil sie von irgendeinem Gott auf irgendeiner Wolke dazu geleitet werden, Schwule und Lesben und alles was sich sonst noch irgendwie quer bewegt, als minderwertige Scheisse zu betrachten oder sonst sind die glattrasierten Affen mit ihren weissen Schnürsenkeln neuerdings top frisiert und im Anzug unterwegs und versuchen das System in einer inzestiösen Art und Weise in den Arsch zu ficken!
Und es ist Sonntagmorgen. Verfickter Sonntagmorgen. Sollte Hans wirklich an einem solchen bewölkten, windigen und depressiven Morgen Gedanken um die Welt machen müssen? Sollte er nicht im Schosse einer kurvigen, gut riechenden, sanften und anmutigen Schönheit zwischen den Laken liegen? Sollte er. Doch das Leben hat seine Züge gemacht. Die Würfel sind vor langer Zeit gefallen und die Augenpaare haben gegen Hans gespielt.
«Fickt euch alle…verdammte Missgeburten.» murmelte er in sich hinein, während er an einer Familie auf der Bank an der Bushaltestelle vorbeilief. Sich drehende Köpfe, fragende Blicke. Unverständnis. Kennt Hans nur zu gut. Hat er sein Leben lang geerntet.
Während er also an diesem Sonntagmorgen durch die Strassen schlendert und ohne Ziel vor Augen fortbewegt, öffnet sich doch die Tür zum Glück, als er am goldenen Hammel vorbei geht.
«Wag es nicht mich zu ignorieren!»
«Würde mir nie in den Sinn kommen.», (du fette Schnecke bist auch nicht zu übersehen), dachte Hans, als er Stefania in der Tür stehen sah. «Ich müsste anschreiben, deshalb zieh ich es vor, lieber nach Hause zu gehen und mir den Brennsprit in die Kehle zu schütten und mich dann innerlich von einer Zigarette braten zu lassen.»
«Depressives Gesindel. Komm rein, ich geb einen aus. …Was würd ich nur ohne euch machen…»
Natürlich war es dann auch mit dem Pech komplett.
«Verfickter Oskar. Der blöde Wixer hat auch kein Zuhause.»
«Hab ich gehört Hans! Aber ich weiss echt nicht, was dir heute über die Leber gekrochen ist. Völlig egal, denn schau mal…»
Ob er sich innerlich tot stellen könnte, während er äusserlich anwesend wäre. Das würde die Qual verringern. Verfickter Oskar plappert nämlich vor sich hin, völlig desinteressiert, ob das Gegenüber teilnimmt an seiner Geschichte oder nicht. Wie geht das nur? Wie kann man so unsensibel seiner Umgebung gegenüber sein?
«Mhm, ja klar…» liess Hans in unregelmässigen Abständen von sich hören. Konversation muss ja schon zwischen mindestens zwei Parteien stattfinden. Für Monologe würde er ins Theater gehen. Man ist ja schliesslich zivilisiert. Oder einer dieser Wollsocken-Soziopathen, die einem von organischen gesunden Verbindungen und heilsbringenden Edelsteinen erzählen.
«Die scheiss Esoteriker sind auch überall!» platzt es aus Hans dabei raus.
«Ja klar, wie auch die Waschbären, die breiten sich rasant in unseren Breitengraden aus. Letzthin gelesen, nämlich ausgebüxt aus Pelzfarmen…»
Eine Pistole wäre die Lösung. Das würde die Ruhe bringen. Aber des verfickten Oskars Frau hätte vermutlich keine Freude. Und die alte Hexe will man nun wirklich nicht an der Backe haben.